Seidensticker, van Laack & Co.: Deutsche Hemdenmacher für den Preppy-Look

3 Min. LesezeitAktualisiert am 30.08.2026

Für gute Hemden musst du nicht nach New Haven schauen: Deutschland hat eine eigene, über 150 Jahre alte Hemdenindustrie — von Seidensticker bis van Laack. Dieser Guide ordnet die wichtigsten Häuser ein und sagt ehrlich, wo sie für den Preppy-Look funktionieren und wo ihre Grenzen liegen.

Die vier wichtigsten Namen

MarkeSitz & GründungPreis Hemd (ca.)Profil
SeidenstickerBielefeld, 191950–90 €Großer Klassiker, stark bei Bügelfrei-Qualitäten
van Laackgegr. 1881 in Berlin, heute Mönchengladbach120–180 €Premium-Segment, aufwendige Verarbeitung
OLYMPBietigheim-Bissingen, 195140–70 €Allgegenwärtige Business-Ware, solide Basis
ETERNAPassau, gegr. 186350–80 €Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, Baumwoll-Fokus
Preise ca., Stand 2026, reguläre Linien ohne Sale

Wie gut ist Seidensticker wirklich?

Das Bielefelder Familienunternehmen ist seit über hundert Jahren im Geschäft und gehört zu den größten Hemdenherstellern Europas — die Chance ist hoch, dass irgendwo in deinem Schrank schon ein Seidensticker hängt, womöglich unter fremdem Etikett, denn das Haus fertigt traditionell auch für andere Marken. Die Qualität der eigenen Linien ist genau das, was der Preis verspricht: saubere industrielle Verarbeitung, verlässliche Passformsysteme von Slim bis Comfort, große Stoffauswahl. Die Spezialität sind bügelfreie Baumwollhemden — praktisch fürs Büro, allerdings fühlen sich bügelfrei ausgerüstete Stoffe glatter und „technischer“ an als unbehandeltes Oxford. Für den Preppy-Look heißt das: Seidensticker ist eine sehr gute Adresse für das weiße oder hellblaue Alltagshemd, weniger für das lässig-strukturierte Button-down mit Kragenrollung.

van Laack: die Premium-Option

van Laack fertigt seit 1881 und positioniert sich klar über dem Kaufhaus-Segment: feinere Garne, aufwendigere Näharbeit und als Markenzeichen der Perlmuttknopf mit drei Löchern, der in einem charakteristischen Muster vernäht wird. Dafür zahlst du das Doppelte bis Dreifache eines Seidensticker-Hemds — und bewegst dich preislich bereits in der Nähe kleiner Maßkonfektionäre. Die ehrliche Einordnung: Der Qualitätssprung ist real und fühlbar, aber van Laack ist eine Hemdenmacher-Marke im eleganten Sinn — die Stärken liegen bei Popeline, Twill und feinen Kragenformen, nicht beim amerikanisch-lässigen Campus-Hemd.

Deutsche Hemden im Preppy-Look: worauf es ankommt

  • Kragen prüfen: Deutsche Marken schneiden traditionell Kent- und Haifischkragen fürs Business. Für Preppy brauchst du den Button-down — den führen alle vier Häuser, aber meist nur in Teilen der Kollektion.
  • Stoff vor Marke: Ein echtes Oxford-Gewebe (strukturiert, griffig) wirkt automatisch preppy; glatte Popeline wirkt automatisch Büro. Die Stoffangabe steht bei allen Herstellern im Produktnamen oder Detailtext.
  • Passform nutzen: Der große Vorteil der deutschen Häuser sind ausgereifte Passformsysteme und ein breites Größenraster inklusive Ärmellängen — hier schlagen sie die Importmarken oft deutlich.
  • Bügelfrei bewusst wählen: Praktisch im Alltag, aber die lässige Knitter-Patina eines klassischen Oxford-Hemds bekommst du damit nicht.

Woran du die Qualitätsstufe erkennst

Unabhängig vom Markennamen verraten drei Details, wo ein Hemd preislich ehrlich eingeordnet ist. Erstens das Garn: „Zweifach gezwirnt“ (two-ply) steht für dichtere, langlebigere Stoffe — bei Hemden unter 50 € fast nie zu finden, bei van Laack Standard. Zweitens die Knöpfe: Perlmutt statt Kunststoff ist ein verlässliches Signal, dass auch am Unsichtbaren nicht gespart wurde. Drittens die Nähte: Enge, gleichmäßige Stiche und sauber eingefasste Seitennähte trennen die 70-€-Klasse von der 40-€-Klasse. Der Umkehrschluss gilt auch: Ein OLYMP- oder ETERNA-Hemd im Sale für 35 € ist gemessen an diesen Kriterien oft der rationalste Kauf im ganzen Segment — es ist nur eben ein solides Gebrauchshemd, kein Stück fürs Herz.

Fazit: Arbeitsteilung statt Entweder-oder

Die stimmigste Garderobe kombiniert beide Welten: das strukturierte Oxford-Button-down von GANT oder einer anderen Preppy-Marke für Freizeit und Smart Casual, dazu deutsche Hemdenmacher für Passform, Bügelfreiheit und den Business-Teil des Schranks. Was ein Button-down können muss, erklären der Oxford-Guide für Herren und der Überblick zu Button-down-Blusen; wie Kragen dauerhaft in Form bleiben, zeigt der Guide Hemden bügeln & Kragen pflegen. Und wo die deutschen Häuser im internationalen Markenfeld stehen, sortiert der Preppy-Marken-Guide.

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