Pullunder für Herren: Vom Golfplatz in den Alltag

3 Min. LesezeitAktualisiert am 30.08.2026

Der Pullunder löst ein echtes Problem: Er wärmt den Rumpf, lässt die Arme frei und macht aus Hemd und Chino ein fertiges Outfit — ohne die Hitze eines vollen Pullovers im überheizten Büro. Dass er lange als Bibliothekars-Uniform galt, ist Geschichte; hier steht, wie du ihn heute trägst.

Vom Cricketrasen und Golfplatz in den Alltag

Der ärmellose Strickpullover stammt aus dem Sport: Cricketspieler trugen ihn als „Sleeveless Sweater“ über dem weißen Hemd, Golfer machten in den 1920er-Jahren das Argyle-Rautenmuster populär — allen voran der Duke of Windsor, der damals einflussreichste Schaufensterbummler der Welt. Die US-Colleges übernahmen beides, und so wurde der Pullunder zum festen Bestandteil des Ivy-Kleiderschranks. Sein sportlicher Ursprung ist auch die Trageregel: Der Pullunder ist kein Ersatz fürs Sakko, sondern eine legere Zwischenschicht. In Deutschland hängt an ihm noch das Mathelehrer-Image der Achtziger — das lag allerdings an Acryl und braunem Karo, nicht am Kleidungsstück selbst. Der Weg in den Alltag lief wie so oft über den Sport: Was auf dem Platz funktioniert, wandert erst auf die Tribüne und von dort in die Stadt.

Argyle oder uni?

Ein Argyle-Pullunder für Herren ist das mutigere, historisch korrektere Stück — aber er ist laut. Die Regel: Zum Rautenmuster bleibt alles andere einfarbig und ruhig, sonst kippt das Outfit ins Golfclub-Kostüm. Wer neu einsteigt, beginnt mit Uni-Farben: Navy, Grau und Cremeweiß funktionieren zu jedem Hemd. Das Argyle kommt als zweiter oder dritter Kauf, idealerweise in gedeckten Tönen (Navy-Grün-Creme statt Türkis-Pink). Die schönsten Argyle-Stücke kommen traditionell aus Schottland — Pringle of Scotland hat das Muster als Markenzeichen etabliert. Ein einzelnes gemustertes Teil pro Outfit ist ohnehin die verlässlichste Preppy-Formel. Wie Muster im Look generell dosiert werden, erklärt der Guide zu Preppy-Farben und Mustern.

So kombinierst du den Pullunder

Grundregel: Der Pullunder ist die mittlere Schicht — er verlangt einen Kragen darunter und verträgt ein Sakko darüber. Innerhalb dieses Rahmens gilt:

  • Über dem Oxford-Hemd: Die Standardkombination. Das Button-down-Hemd liefert Kragen und Manschetten, der Pullunder die Wärme — Hemdärmel gerollt wird daraus ein Sommerabend-Outfit.
  • Über dem Poloshirt: Die sportlichste Variante, nah am Golf-Original. Funktioniert nur mit Piqué-Kragen, der von selbst steht.
  • Unter dem Sakko: Der Pullunder ersetzt die Weste und wärmt im Winter — dann zwingend uni und fein gestrickt, sonst trägt er auf.
  • Direkt auf der Haut oder überm T-Shirt: Ehrlich gesagt: keine gute Idee. Ohne Kragen verliert der Pullunder seinen Rahmen und wirkt wie vergessen.
  • Hose dazu: Chino in Khaki oder graue Wollhose. Zu Jeans funktioniert er im Wochenend-Modus, dann eher grob gestrickt.

Material und Preis

Für den Pullunder gilt dieselbe Logik wie beim vollen Pullover: Lambswool (ca. 60–120 €) und Merino (ca. 50–100 €) sind die erste Wahl, Baumwolle (ca. 40–80 €) die Sommer-Alternative. Unter etwa 40 € dominiert Acryl, das glänzt und pillt. Da der Pullunder wenig Fläche hat, ist er ein vergleichsweise günstiger Einstieg in gute Strickqualität — und ein dankbares Secondhand-Stück, weil er kaum ausleiert. Achte auf die Bündchen: Sie sollen elastisch zurückspringen — leiern sie schon im Laden, wird das nicht besser. Fürs Büro lohnt Merino in Feinstrick, fürs Wochenende Lambswool in gröberer Maschung.

Passform: nichts kaschiert

Die Passform entscheidet beim Pullunder über alles, weil keine Ärmel ablenken: Die Armausschnitte liegen sauber an, ohne einzuschneiden oder abzustehen; der V-Ausschnitt endet oberhalb des zweiten Hemdknopfs; der Bund schließt am Hosenbund ab, nicht darüber. Zu weit gekauft wirft der Pullunder Falten wie ein Umzugskarton, zu eng zeichnet er jeden Hemdknopf ab. Im Zweifel hilft die Anprobe mit genau dem Hemd, das du darunter tragen willst.

Wenn es doch der ganze Pullover sein soll, übernimmt der Zopfstrickpullover. Wo der Pullunder zwischen den übrigen Key Pieces steht, zeigt Preppy Kleidung für Herren — und warum Sportkleidung von Golfplatz und Cricketfeld die Basis des ganzen Looks bildet, erklärt Was ist Preppy Style?.

Nach oben scrollen